Die ARD und ZDF – Onlinestudie 2015 und die digitale Kluft

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Die ARD und ZDF – Onlinestudie 2015 und die digitale Kluft

Zum 12.10.2015 haben ARD und ZDF eine neue Version der seit dem Jahr 1997 publizierten Online-Studie auf der Internetseite ard-zdf-onlinestudie.de bereit gestellt.

In der Pressemitteilung von ARD und ZDF heißt es:

„Die Anzahl derer, die das Internet täglich nutzen, ist 2015 um 3,5 auf 44,5 Millionen (63%) gestiegen. Zugenommen hat auch die Unterwegsnutzung: mittlerweile greifen 30,7 Millionen (55%) unterwegs auf Netzinhalte zu, das sind 3,2 Millionen (+5%- Punkte) mehr als im Vorjahr.“

Diese Studie verfolge ich bereits seit einigen Jahren intensiv (bereits in meiner Diplomarbeit aus dem Jahr 2007 habe ich diese referenziert). Bezeichnend für die Ergebnisse der Studie ist – wie könnte man auch anders vermuten – die Anzahl der Nutzer die über einen eigenen Internetanschluss verfügen oder Zugriff über andere Ressourcen auf das Internet haben, steigt stetig weiter an. Die Studie umfasst mehrere Zielgruppen und berücksichtigt Menschen in Deutschland ab 14 Jahren. Für die Studie wurden im März und April 2015 insgesamt 1.800 Personen befragt und die Ergebnisse wurden nun veröffentlicht.

Kernaussagen der Studie

Die Inhalte der Studie in Kürze:

  • Der Anteil der Bevölkerung, der das Internet mobil nutzt, steigt weiter an.
    Von 2014  auf 2015 hat die mobile Internetnutzung weiter um 5% auf 55% zugelegt. Allerdings tritt hier langsam eine Stagnation ein. Insgesamt gehen somit 30,7 Millionen Deutsche mobil zu mindestens sporadisch online.
  • Stagnation bei der jüngeren Bevölkerung
    Bei den jüngeren Zielgruppen (unter 40 Jahren) ist eine Stagnation des Nutzungszuwachses zu erkennen (wobei hier seit 2010 bereits alle 14-19 Jährigen das Internet zu mindestens gelegentlich nutzen). Keine Berücksichtigung finden die unter 14 Jährigen. Aus einer Studie von Statista aus dem Jahr 2014 ist allerdings ersichtlich, dass Kinder bereits ab 6-7 Jahren das Internet sporadisch mit 39% und ab 10-11 Jahren bereits zu 94% nutzen. In 2015 dürfte dieser Wert bei den jüngeren noch höher liegen.
  • Stetiger Anstieg der Internetnutzung bei Personen älter als 60 Jahre
    Die über 60jährigen, die im Jahr 2011 noch bei nur 1/3 der Zielgruppe zu mindestens gelegentlich im Internet vertreten sind, sind nun im Jahr 2015 bei über 50% angelangt. Der Zuwachs von 45,4% auf 50,4% ist damit der höchste prozentuelle Anstieg von 2014 auf 2015.
  • Die Anzahl der Nutzer die sog. „Online-Bewegtbilder“ regelmäßig ansehen steigt
    Streamingportale, wie Netflix und Mediatheken legen weiter zu. Immerhin 49% der Zielgruppen sehen sich 2015 mindestens einmal in der Woche Videos oder Fernsehsendungen online an. Dies ist ein Anstieg von +4% im Vergleich zu 2014. Wie aus der Pressemitteilung herauszulesen ist: „Die Zuwächse zeigen sich dabei in allen Altersgruppen.“

Digitale Kluft / Digitale Spaltung

Im folgenden möchte ich mich kurz der Entwicklung der digitalen Kluft (Korrelation der „Nutzung des Internet“ mit dem Bildungsniveau) in Deutschland zuwenden und dabei zunächst kurz den Begriff umreißen und im Anschluss daran eine Verbindung zu den Studienergebnissen der ARD und ZDF Onlinestudie seit 2005 ziehen.

Herkunft des Begriffes

Die Begriffe „Digitale Kluft“ und „digitale Spaltung“ stehen (laut dem Artikel „Digitale Kluft“ aus der Wikipedia) für die These,

  • dass die Chancen auf einen Zugang zum Internet und die anderen (digitalen) Informations- und Kommunikationstechniken ungleich verteilt und stark von sozialen Faktoren abhängig sind
  • dass die im Zuge der differenten Internetnutzung entstehenden Wissensklüfte grösser sind als jene, die auf die Nutzung älterer Medien bezogen sind und
  • dass diese Chancenunterschiede ihrerseits gesellschaftliche Auswirkungen haben.

Aussage der ARD und ZDF Onlinestudie zu diesem Thema

Betrachtet man weitere Details der Statistik, so ist vor allem die noch immer herrschende Digitale Kluft bezeichnend für die Internetentwicklung in Deutschland. Hingegen Befürchtungen aus den späten 1990er und frühen 2000er Jahren, dass sich hier eine Schere in der Nutzung auftun wird, ist bei bleibendem „Abstand“ der Nutzung zwischen solchen Nutzern mit niedrigem und hohen Bildungsniveau  jedoch, dass die gesamte Nutzerzahl in allen Bildungsniveaus erheblich angestiegen ist.

Im Jahr 2002 waren 23,6% der Menschen mit Haupt- und Volksschulabschluss zu mindestens sporadisch, 2005 immerhin 38,5% online. Im Jahr 2015 liegt dieser Anteil bei immerhin 63%. Damit ist noch immer nicht der prozentuale Anteil erreicht, den Menschen mit Abitur oder Studienabschluss bereits 2002 mit > 76% Anteil und 2005 mit > 83% Anteil in der Online-Nutzung erreicht hatten und der nun im Jahr 2015 bei ca. 90% liegt.

Wichtig ist jedoch der prozentuale Anstieg. Während bei der Bevölkerungsschicht mit hohem Bildungsniveau dieser von 2002 auf 2005 bei 8,4% (Abitur) bzw. 3,8% (Studierte) lag konnte das eher niedrigere Bildungsniveau um 14,9% wachsen. Von 2005 auf 2015 verhält es sich wie folgt:

  • Wachstum bei höherem Bildungsniveau:
    • Abitur: +4,2%
    • Studierte: +10,9%
  • Wachstum bei niedrigerem Bildungsniveau:
    • Volksschule / Hauptschule: +24,5%

Entwicklung der Onlinenutzung nach formaler Schulbildung 2002 bis 2005, aus Onlinestudie 2005

Da die Anzahl der Internetbenutzer in den höheren Bildungsschichten bereits eine sehr hohes Verbreitung erreicht haben (teilweise > 90%) und es immer eine gewisse Anzahl an „Verweigerern“ geben wird ist die Stagnation nicht weiter verwunderlich. Der hohe Anstieg an den Internetnutzern mit niedrigerem Bildungsniveau korreliert wahrscheinlich direkt mit den sinkenden Preisen für die Nutzung des Mediums und der einfachen Zugänglichkeit zum Internet.

ARD/ZDF-Onlinestudie 2015: Onlinenutzung nach Geschlecht, Altersgruppen, Berufstätigkeit und Bildung zumindest gelegentlich genutzt, in % (*)

Nimmt man dann in die Betrachtung noch die Verbreitung des Internets bei der Zielgruppe 14-39 Jahre hinzu, wo die Nutzung mittlerweile zwischen 94 und 100%(!) liegt, so ist davon auszugehen, dass die digitale Kluft, zu mindestens in Deutschland in Kürze in wenigen Jahren der Vergangenheit angehören wird.

Nicht abgedeckt von dieser Betrachtung ist die „Qualität der Internetnutzung“ verschiedener Bildungsschichten.

Sieht man sich hingegen (siehe unten stehende Grafik aus der Wikipedia) die weltweite Entwicklung an, so bleibt der „digital gap“ (digitale Kluft) oder auch „digital divide“ (digitale Spaltung) ein großes Problem für die nächsten Jahre.

Internet users per 100 inhabitants ITU“ von Jeff Ogden (W163) – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons –

Zum Schluß

Besonders lustig fand ich in der Pressemitteilung folgenden Satz:

„Das Internet ist eine Universalplattform, die es dem Anwender ermöglicht, zu kommunizieren, Medieninhalte zu nutzen, zu spielen oder Transaktionen zu tätigen.“

Dazu fällt mir eigentlich nur ein: „Ach, wirklich?! Da bin ich nun echt überrascht ob solch einer Erkenntnis Vielen Dank für diesen Hinweis“.

(*) Wer genau hinsieht wird feststellen, dass in der oben stehenden Tabelle „Tab.1“ die Gesamtmenge der Nutzer 101% (80% nutzen zu mindestens gelegentlich und 21% nutzen gar nicht das Internet) und nicht 100% ausmacht. 🙂

By | 2017-01-29T10:31:45+00:00 Oktober 15th, 2015|Internet and Web Engineering, Mobile|1 Comment

One Comment

  1. Karl Grün 27. Oktober 2015 at 09:43 - Reply

    Eine schöne Zusammenfassung dieser bekannten Studie. Interessant finde ich den Vergleich zur digitalen Kluft. Vielen Dank,ich werde dies im Unterricht verwenden.

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